Das Problem mit Reichweite als KPI ist nicht nur, dass sie wenig aussagt. Das Problem ist, dass sie aktiv zu falschen Entscheidungen führt – auf Management-Ebene, wo es um Budget, Agenturen und strategische Richtung geht.
Entscheidung 1: „Die Agentur ist gut, die Reichweite steigt." Ein Hotel arbeitet mit einer Agentur zusammen und bewertet deren Leistung an der Reichweite. Die Zahlen steigen – also wird der Vertrag verlängert, das Budget erhöht. Was nicht geprüft wird: Hat sich an der Buchungssituation etwas verändert? Kommen mehr Besucher auf die Website? Steigen die Direktbuchungen? Wenn diese Fragen nicht gestellt werden, kann ein Hotel jahrelang in eine Agentur investieren, die Reichweite liefert, aber keine Wirkung.
Entscheidung 2: „Das Reel hatte 100.000 Views, also machen wir mehr davon." Ein Hotel postet ein Reel, das viral geht. Ein Drohnenflug über die Landschaft, ein Zeitraffer vom Sonnenaufgang, ein Trend-Audio mit Hotel-Bildern. Die Views explodieren. Der Inhaber ist begeistert und will „mehr solchen Content". Was er nicht sieht: 95 % der Views kommen von Menschen, die das Hotel nie buchen werden. Sie sind in der falschen Region, der falschen Altersgruppe oder schlicht nicht in einer Buchungssituation. Die Reichweite ist hoch, die Buchungsrelevanz ist null.
Entscheidung 3: „Social Media funktioniert nicht, die Reichweite stagniert." Das Gegenteil: Ein Hotel produziert buchungsrelevanten Content – Roomtours, echte Einblicke, zielgruppenspezifische Inhalte. Die Reichweite ist moderat, weil solcher Content nicht viral geht. Der Inhaber ist unzufrieden und hinterfragt die Agentur. Was er nicht sieht: Die Website-Klicks aus Social Media haben sich verdoppelt, die Saves pro Beitrag sind deutlich gestiegen und die Conversion-Rate bei Social-Media-Besuchern ist höher als bei jedem anderen Kanal. Social Media funktioniert besser als je zuvor – aber die falsche Kennzahl vermittelt das Gegenteil.