Hier wird es richtig problematisch. Likes sind nicht nur irrelevant – sie können ein Hotel aktiv dazu verleiten, den falschen Content zu produzieren.
Der Mechanismus funktioniert so: Ein Hotel postet ein stimmungsvolles Foto vom Sonnenuntergang über dem See. 350 Likes. Dann postet es ein Video, das zeigt, wie ein Zimmer wirklich aussieht – den Blick vom Bett, das Badezimmer, den Balkon. 45 Likes. Das Hotel zieht die naheliegende Schlussfolgerung: Sonnenuntergangs-Fotos funktionieren, Zimmervideos nicht. Also mehr Sonnenuntergänge, weniger Zimmer.
Das Problem: Die 350 Likes auf den Sonnenuntergang kommen großteils von Menschen, die schöne Bilder mögen. Fotografen, Reise-Accounts, andere Hotels, Menschen, die nie buchen werden. Die 45 Likes auf das Zimmervideo kommen von Menschen, die sich tatsächlich für das Hotel interessieren – die sich vorstellen, in diesem Zimmer aufzuwachen. Die vielleicht nicht liken, aber die Website besuchen. Die vielleicht nicht kommentieren, aber sich den Beitrag speichern. Die vielleicht nicht teilen, aber ihrem Partner schreiben: „Schau mal, das sieht gut aus."
Das Zimmervideo hat weniger Likes und mehr Buchungsrelevanz. Der Sonnenuntergang hat mehr Likes und null Buchungsrelevanz. Aber weil das Hotel auf Likes schaut, produziert es mehr Sonnenuntergänge. Es optimiert auf die falsche Kennzahl – und wundert sich, warum die Buchungen ausbleiben.
Dieses Feedback-Loop ist einer der häufigsten Gründe, warum Hotels ihren Social-Media-Content systematisch in die falsche Richtung entwickeln. Und es erklärt, warum viele Hotels „viel machen" und trotzdem „nichts dabei rauskommt".